Von allen Wänden, an die jemand einen Basketballkorb schrauben will, ist die gedämmte die häufigste – und die am schlechtesten beantwortete. Wer danach sucht, findet drei Sorten von Auskunft: „geht nicht“, „nimm einfach längere Schrauben“ und Produktseiten, die ein System verkaufen, ohne die Frage dahinter zu klären.
Alle drei sind falsch. Es geht – aber nicht mit längeren Schrauben, und nicht immer. Dieser Artikel erklärt zuerst, warum die naheliegende Lösung physikalisch nicht funktionieren kann, stellt dann die drei Wege gegeneinander, die tatsächlich gangbar sind, und behandelt am Ende zwei Punkte, die in dieser Kombination praktisch nirgends stehen: die bauphysikalischen Folgen eines Durchbruchs und die Frage, wer haftet, wenn eine Fassade mit laufender Gewährleistung angebohrt wird.
Der Montage-Leitfaden und der Artikel zum Dübel nach Untergrund behandeln WDVS jeweils als einen Fall unter mehreren. Hier ist es der einzige.
Warum ein langer Dübel hier nichts löst
Die Grundregel steht in einem Satz: Die Dämmung trägt nichts. Sie ist Styropor, Mineralwolle oder Holzfaser – Material, das Wärme zurückhalten soll, nicht Lasten. Ein Dübel, der zur Hälfte darin sitzt, hat dort keine Verankerung, sondern nur Führung.
Die Hersteller trennen das sauber nach Lastklasse. fischer unterscheidet drei Stufen: Für leichte Lasten gibt es Spezialdübel, die ausdrücklich im Dämmstoff verankern, „ohne den tragenden Untergrund zu erreichen“ – gedacht für Lampen, Briefkästen, Fallrohre. Für mittelschwere und schwere Lasten endet dieser Weg; dort kommen Abstandsmontagesysteme zum Einsatz, die die Dämmung überbrücken. Ein Basketballkorb fällt eindeutig nicht unter „leichte Lasten“.
Der Punkt, den die meisten übersehen: die Dämmung verlängert den Hebel
Hier liegt der eigentliche Unterschied zu jeder anderen Wand, und er wird fast nie ausgesprochen.
Bei einer Wandanlage wirkt die Last am Ring über die Auslage – üblicherweise 40 bis 60 cm – als Hebel auf die Befestigung. Das gilt an jeder Wand. An einer gedämmten Fassade kommt aber etwas dazu: Der Punkt, an dem die Last tatsächlich in tragfähiges Material eingeleitet wird, liegt nicht an der Putzoberfläche, sondern hinter der Dämmung. Bei 200 mm Dämmstärke sitzt die Verankerung also 20 cm weiter hinten als bei einer ungedämmten Wand.
Der wirksame Hebelarm ist damit nicht die Auslage allein, sondern Auslage plus Dämmstärke. Aus 50 cm werden 70 cm – eine Zunahme um 40 Prozent, bei unverändertem Anlagengewicht und unverändertem Lochbild. Genau deshalb ist die gedämmte Fassade kein Sonderfall der normalen Wandmontage, sondern ein eigener Lastfall.
Und genau deshalb steht in den Abbruchkriterien dieser Seite eine Dämmstärke: Ab etwa 160 mm gehört die Beurteilung in fachliche Hände. Das ist keine Produktgrenze – Abstandsmontagesysteme überbrücken erheblich mehr, wie die Tabelle weiter unten zeigt. Es ist die Grenze, ab der die Frage „hält das?“ niemand mehr nach Gefühl beantworten sollte.
Weg 1: Abstandsmontagesystem durch die Dämmung
Das ist der Weg, der die Wandmontage tatsächlich rettet – und der technisch sauberste, wenn die Voraussetzungen stimmen.
Wie es funktioniert
Eine Gewindestange wird im tragenden Untergrund verankert, durchquert die gesamte Dämmebene und trägt außen das Anbauteil. Das entscheidende Bauteil sitzt dazwischen: ein Trennmodul aus glasfaserverstärktem Kunststoff, das die im Untergrund verankerte Stange mit dem Befestigungselement verbindet und dabei eine „druck- und zugfeste Ableitung der Lasten, auch der Querkräfte“ ermöglicht, wie die Fachpresse das Prinzip beschreibt. Bei fischer heißt dieses Bauteil Kältekonus; es fräst sich beim Setzen selbstschneidend durch den Putz.
Der Konus leistet also zwei Dinge gleichzeitig, und das ist der ganze Trick: Er überträgt die Last und unterbricht die durchgehende Metallverbindung, über die sonst Wärme nach außen abfließen würde.
Die Systeme im Vergleich
Wichtig vorweg: Es geht um ein Prinzip, nicht um eine Marke. Mindestens drei Hersteller bieten vergleichbare Systeme an, und die Auswahl richtet sich nach Dämmstärke, Dämmstoff und Lastklasse – nicht danach, welcher Name im Baumarktregal steht.
| System | Lastklasse | Überbrückte Dämmstärke | Besonderheit laut Hersteller |
|---|---|---|---|
| fischer TherMax 8 / 10 | mittelschwer | bis 240 mm | mechanische Abstandsmontage |
| fischer TherMax 12 / 16 | schwer | 62 – 290 mm | mit Injektionsmörtel; Gewindestange M12, Reduzierstifte auf M8/M10 |
| Würth AMO-Therm Mini | leicht bis mittelschwer | 60 – 200 mm | eine Schraubenlänge für alle Dämmstärken, Einschraubtiefe wird angepasst |
| Würth AMO-Therm | schwer | – | für Markisen, Vordächer, französische Balkone, Konsolen für Klimageräte |
| TOX Thermo Proof Mini | leicht bis mittel | 50 – 200 mm | für weiche Dämmstoffe wie Steinwolle |
| TOX Thermo Proof | schwer | bis 300 mm | stufenlos justierbare Isolierhülse, bauaufsichtliche Zulassung, Edelstahl |
| TOX Thermo Proof Plus | schwer | bis 320 mm | Aqua-Stop gegen Fassadenfeuchtigkeit, Edelstahl A4 |
Was in dieser Tabelle bewusst nicht steht, sind Lastwerte. Die hängen nicht vom Abstandsmontagesystem allein ab, sondern von der Kombination aus System, Tragkörper, Verankerungstiefe, Randabstand und Dämmstärke – und stehen für genau diese Kombination in der Zulassung des Produkts, der Europäischen Technischen Bewertung (ETA) oder der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ). Eine Kilogrammzahl aus einem Ratgeber wäre hier im besten Fall zufällig richtig.
Aufwand, Voraussetzung, Grenze
Aufwand: ein halber bis ganzer Tag, plus Aushärtezeit bei Injektionssystemen. Deutlich mehr als eine normale Wandmontage, weil zwei Bauteile sauber zusammenkommen müssen – die Verankerung im Tragkörper und der Durchbruch durch die Dämmebene.
Voraussetzung: Der Tragkörper hinter der Dämmung muss bekannt sein. Das ist die Bedingung, an der dieser Weg am häufigsten scheitert – nicht am Produkt. Hinter der Dämmung kann Beton stecken, Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton oder eine zweischalige Konstruktion, und jeder dieser Fälle verlangt ein anderes Verankerungsprinzip im Bohrloch. Wie du sie unterscheidest, steht unter Welcher Dübel für welchen Untergrund.
Grenze: Ab etwa 160 mm Dämmstärke, bei einer schweren Anlage mit großer Auslage, bei unbekanntem Tragkörper – oder wenn hinter der Dämmung Porenbeton sitzt. Dann ist Weg 3 dran.
Weg 2: Bodenhülse vor der Fassade – die Wand ganz umgehen
Der unterschätzte Weg. Er löst das Problem nicht, er stellt es ab.
Eine einbetonierte Bodenhülse trägt die Kräfte direkt ins Erdreich, statt sie in die Fassade einzuleiten. Damit entfallen auf einen Schlag: die Frage nach dem Tragkörper, die Frage nach der Dämmstärke, die Abdichtung der Durchdringung, die Wärmebrücke und die gesamte Haftungsfrage aus dem letzten Abschnitt.
Aufwand: ein Tag Handarbeit plus Aushärtezeit. Beton mindestens C20/25; das Fundament so groß, wie es die Montageanleitung der Anlage verlangt – Sport-Thieme etwa nennt für die Anlage „Fair Play 2.0“ rund 1 × 1 × 1 m bei etwa zwei Wochen Aushärtezeit. Die Fundamentunterkante muss unter der ortsüblichen Frosttiefe liegen, in Deutschland je nach Region 80 bis 150 cm.
Voraussetzung: genug Platz vor der Fassade und die Möglichkeit, dort zu graben – also keine Leitungen im Boden, kein Grundwasser im Aushubbereich, und bei Miete die Zustimmung der Eigentümerseite. Der Korb rückt dabei zwangsläufig ein Stück von der Wand weg, was für das Spiel meist ein Vorteil ist: Der Ball prallt nicht mehr gegen die Fassade.
Grenze: eine gepflasterte oder asphaltierte Fläche, die geöffnet und wieder tragfähig angeschlossen werden muss, sowie Hanglagen. Und natürlich der Fall, dass schlicht kein Platz da ist – dann bleibt Weg 1 oder 3.
Wo das Fundament ausscheidet, ist eine mobile Anlage mit befüllbarem Standfuß die letzte Option ohne jeden Eingriff in die Bausubstanz. Sie hat ihre eigene Grenze: Sobald sich jemand an den Ring hängt, reicht der Ballast nicht mehr.
Weg 3: Fachbetrieb mit statischem Nachweis
Der Weg, den niemand gern hört, und der in genau definierten Fällen der einzige richtige ist.
Wann er dran ist:
- Dämmstärke ab etwa 160 mm
- schwere Anlage mit großer Auslage an gedämmter Fassade
- Tragkörper nicht sicher bestimmbar, oder Porenbeton dahinter
- zweischaliges Mauerwerk mit zusätzlicher Dämmung
- laufende Gewährleistung auf der Fassade (siehe unten)
- sichtbare Vorschäden: Risse im Putz, Feuchteflecken, hohl klingende Bereiche
Was er liefert, das ein Heimwerker nicht liefern kann: die Feststellung des Tragkörpers, die Auswahl des Systems anhand der Zulassung für genau diese Kombination, die rechnerische Beurteilung der Lasteinleitung – und die fachgerechte Wiederherstellung der Dämm- und Putzebene rund um die Durchdringung.
Dass das keine Übervorsicht ist, zeigt ein Blick auf die Branchenpraxis: Sport-Thieme überlässt in den eigenen Montageanleitungen für Wandanlagen die Wahl der Dübel den Angaben des Statikers und liefert dafür die Kräfte am Verankerungsplan mit. Das gilt an einer ungedämmten Wand. An einer gedämmten, wo die Last erst durch eine nicht tragende Schicht hindurch muss, gilt es erst recht.
Die bauphysikalische Seite: was fast nirgends steht
Bis hierhin ging es um Statik. Der zweite Teil des Problems ist bauphysikalisch, und er ist der Grund, warum ein sauber haltender Korb trotzdem einen Bauschaden verursachen kann.
Jeder Durchbruch muss dauerhaft dicht sein
Ein WDVS ist ein geschlossenes System aus aufeinander abgestimmten Schichten: Kleber, Dämmung, Armierungsschicht, Putz. Die Deutsche Energie-Agentur formuliert die Systembindung ausdrücklich – die Systeme dürfen „nur mit den beschriebenen Komponenten und in den aufgeführten Kombinationen“ verwendet werden. Jede Bohrung durchtrennt alle diese Schichten auf einmal.
Bleibt der Ringspalt zwischen Befestigung und Putz offen, wandert Wasser genau dort in die Dämmebene. Und dort bleibt es: Eine durchnässte Dämmung trocknet kaum nach außen ab, weil der Putz davor sitzt. Die Folge ist nicht ein Fleck, sondern ein Substanzschaden – eindringende Feuchtigkeit kann das System so stark beschädigen, dass eine vollständige Erneuerung nötig wird.
Fachgerecht gelöst wird das am Bauteil selbst: Der Ringspalt am Putz wird mit Dichtkleber abgedichtet; die kleineren Systemvarianten bringen zusätzlich eine Abdeckkappe mit, die den Spalt verschließt. Ein Klecks Silikon aus der Restetube ist damit nicht gemeint – gefragt ist das, was das jeweilige System vorsieht.
Die Wärmebrücke: Kondenswasser innen, Algen außen
Der zweite Effekt ist unsichtbar, bis er sichtbar wird. Eine durchgehende metallische Verbindung von außen bis in die tragende Wand leitet Wärme deutlich besser als die Dämmung ringsum. An dieser Stelle sinkt die Oberflächentemperatur – innen wie außen.
Innen kann die Temperatur unter den Taupunkt fallen. Dann schlägt sich Luftfeuchte als Tauwasser nieder, und was auf Dauer folgt, sind Stockflecken und Schimmelpilze an der Innenwand. Genau das ist der Grund, warum die Fachpresse klassische Behelfslösungen – Distanzhülsen, Holz- oder Kunststoff-Unterkonstruktionen – als problematisch beschreibt: Sie tragen zwar, aber sie erzeugen unkontrollierte Wärmeverluste.
Außen ist die Stelle kälter und damit länger feucht als die Fläche daneben. Feuchte Putzflächen sind der bevorzugte Standort für Algen – deshalb der Hinweis der Deutschen Energie-Agentur, dass Dübel korrekt ausgeführt sein müssen, um Wärmebrücken und damit Algenbildung zu vermeiden. Die grünlichen Schleier rund um Befestigungspunkte an gedämmten Fassaden sind kein Zufall, sondern die Landkarte der Wärmebrücken.
Ein thermisch trennender Konus ist deshalb kein Zubehör, sondern der Grund, warum das ganze System existiert.
Ein Detail, das kaum jemand auf dem Schirm hat
Die Befestigungselemente eines WDVS werden bei der U-Wert-Berechnung der Wand berücksichtigt. Das heißt: Die energetische Kennzahl der Fassade ist unter der Annahme einer bestimmten Anzahl und Art von Durchdringungen ermittelt worden. Nachträgliche Durchbrüche stehen in dieser Rechnung nicht. Für einen einzelnen Basketballkorb ist das energetisch kaum messbar – für die Frage, ob man in eine geförderte, frisch gedämmte Fassade bohrt, ohne jemanden zu fragen, ist es ein Argument mehr.
Wer haftet, wenn eine Fassade mit Gewährleistung angebohrt wird
Vorweg, weil es wichtig ist: Dieser Abschnitt ist eine Orientierung und ausdrücklich keine Rechtsberatung. Er beschreibt, warum die Frage überhaupt auftaucht und wen man sinnvollerweise fragt – nicht, wie sie in deinem Fall ausgeht. Der Einzelfall hängt an Verträgen, die niemand aus der Ferne kennt; wer eine verbindliche Einschätzung braucht, bekommt sie von einer Anwältin oder einem Anwalt.
Der Kern ist trotzdem einfach. Ein WDVS ist ein Systemprodukt mit eigenem Verwendbarkeitsnachweis – einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) oder einer Europäischen Technischen Bewertung (ETA). Zur Systembindung gehört, dass die Verarbeitungsvorgaben des Herstellers eingehalten werden. In der Rechtsprechung zu Bauverträgen sind die Verlegevorschriften des Herstellers verbindlich, wenn ihre Einhaltung vertraglich vereinbart wurde; ein Ausführender, der davon abweicht, liefert eine mangelhafte Leistung – und kann sich später nicht darauf berufen, die Beseitigung sei zu aufwendig.
Für dich als Eigentümer folgt daraus praktisch:
- Läuft die Gewährleistung noch – bei einer frisch gedämmten Fassade also in den ersten Jahren nach Fertigstellung –, ist ein eigenmächtiger Durchbruch der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Wird später ein Fassadenmangel gerügt, ist die Bohrung der erste Punkt, auf den der Verantwortliche zeigen wird.
- Der saubere Weg ist kurz: den Betrieb fragen, der die Fassade ausgeführt hat, oder den Systemhersteller. Beide haben ein Interesse an einer fachgerechten Durchdringung, und beide können sagen, welches Abstandsmontagesystem zu ihrem Aufbau freigegeben ist. Eine kurze schriftliche Rückmeldung ist mehr wert als jede nachträgliche Diskussion.
- Zur Miete ist die Sache noch klarer: Eine Durchdringung der Fassade geht über den vertragsgemäßen Gebrauch hinaus. Ohne Zustimmung der Eigentümerseite ist Weg 2 – oder eine mobile Anlage – die einzig sinnvolle Option.
- In der Eigentümergemeinschaft ist die Fassade in aller Regel Gemeinschaftseigentum. Dann entscheidet nicht der einzelne Eigentümer, sondern die Gemeinschaft.
Was du brauchst
- Abstandsmontagesystem mit gültiger Zulassung für die vorhandene Dämmstärke und den Tragkörper dahinter – inklusive der vom Hersteller vorgesehenen Abdichtung des Ringspalts
- Passender Injektionsmörtel mit Kartuschenpresse und Mischrohren, bei Lochbaustoffen zusätzlich Siebhülsen
- Bohrhammer für den Tragkörper, dazu ein langer Bohrer, der Dämmung und Wand in einem Zug durchbohrt
- Dämmstoffbohrer oder das vom System vorgesehene Werkzeug für den Durchbruch durch die Dämmebene
- Leitungs- und Bewehrungssuchgerät
- Ausblaspumpe und Rundbürste im passenden Durchmesser für die Bohrlochreinigung – bei tiefen Bohrlöchern durch die Dämmung mit den Verlängerungen des Systems für Bürste und Mischrohr, damit beides den Bohrlochgrund im Tragkörper erreicht
- Drehmomentschlüssel für das vorgegebene Anzugsmoment
- Wasserwaage ab 60 cm, Zollstock, Bleistift, Staubsauger
- Zweite Person für Ausleger und Brett
Schritt für Schritt
- Dämmstärke ermitteln – an einer Fensterlaibung, an einer vorhandenen Durchdringung oder aus den Unterlagen der Sanierung. Liegt sie bei etwa 160 mm oder darüber, hier abbrechen und Weg 3 gehen.
- Gewährleistungslage klären: Wann wurde gedämmt, läuft noch eine Frist, ist die Fassade Gemeinschaftseigentum? Bei laufender Gewährleistung den ausführenden Betrieb oder den Systemhersteller schriftlich fragen, welches Abstandsmontagesystem für diesen Aufbau freigegeben ist.
- Tragkörper bestimmen. Ein Probeloch an unauffälliger Stelle setzen und auswerten, wo die Dämmung endet und wie sich das Material dahinter beim Bohren verhält – gleichmäßiger Widerstand deutet auf Beton oder Vollstein, plötzliches Durchfallen auf Lochbaustoffe, krümelig-helles Bohrmehl bei fast widerstandslosem Bohren auf Porenbeton.
- System auswählen, das für diese Kombination aus Dämmstärke, Dämmstoff und Tragkörper zugelassen ist. Zulassung lesen und die vier Werte notieren: Bohrerdurchmesser, Verankerungstiefe, Randabstand, Anzugsmoment.
- Lochbild anzeichnen und mit der Wasserwaage ausrichten. Randabstände zu Gebäudeecken, Fensterlaibungen und Dehnungsfugen einhalten – und daran denken, dass der Bohrpunkt im Tragkörper hinter der Dämmung liegt, nicht dort, wo der Bleistift den Putz berührt.
- Wandbereich mit dem Suchgerät prüfen, dann bohren: durch Putz und Dämmung bis in den Tragkörper, im Tragkörper mit dem Bohrverfahren, das zu diesem Material gehört – in Lochbaustoffen und Porenbeton also ohne Schlagwerk.
- Bohrloch im Tragkörper reinigen: zweimal ausblasen, zweimal ausbürsten, zweimal ausblasen. Ohne Reinigung kann die Tragfähigkeit laut Zulassung bis um das Vierfache sinken.
- Verankerung setzen: bei Lochbaustoffen zuerst die Siebhülse, dann vom Bohrlochgrund her verfüllen und das Mischrohr langsam herausziehen, anschließend die Gewindestange eindrehen. Aushärtezeit abwarten – bei Kälte deutlich länger als der Wert für Zimmertemperatur.
- Kältekonus nach Herstellervorgabe setzen, sodass er sauber auf dem Putz aufliegt und die Stange thermisch getrennt bleibt.
- Ringspalt abdichten, wie es das System vorsieht – Dichtkleber und, wo vorgesehen, Abdeckkappe. Dieser Schritt ist kein Kosmetikschritt und wird nicht „später mal“ nachgeholt.
- Ausleger montieren, ausrichten und mit dem vorgegebenen Drehmoment anziehen, nicht nach Gefühl. Danach Brett und Ring anbauen.
- Belastungsprobe zu zweit. Anschließend nach den ersten Spielstunden und zu jedem Saisonstart alle Verbindungen kontrollieren – und dabei die Durchdringungen ansehen: Ein Riss im Putz rund um den Konus ist ein Frühwarnzeichen und kein Schönheitsfehler.
Wann Schluss ist
- Dämmstärke ab etwa 160 mm. Der wirksame Hebelarm wächst mit der Dämmung; ab dieser Größenordnung gehört die Beurteilung in fachliche Hände.
- Tragkörper nicht sicher bestimmbar. Ohne ihn lässt sich weder das System auswählen noch die Zulassung anwenden.
- Porenbeton hinter der Dämmung. Zwei Materialgrenzen hintereinander – für eine Wandanlage mit großer Auslage ist das die falsche Wand, unabhängig vom Abstandsmontagesystem.
- Zweischaliges Mauerwerk plus Dämmung. Die Befestigung müsste Putz, Dämmung, Verblendschale und Luftschicht überbrücken, bevor sie überhaupt tragfähiges Material erreicht.
- Laufende Gewährleistung ohne Rückfrage. Kein technisches, aber ein sehr reales Risiko.
- Risse, Feuchteflecken oder hohl klingende Putzflächen im Montagebereich. Erst die Ursache klären, dann über Anbauteile nachdenken.
- Fassade ist Gemeinschaftseigentum und es liegt kein Beschluss vor.
In all diesen Fällen ist die Alternative nicht Aufgeben, sondern Weg 2: eine Bodenhülse vor der Fassade oder eine mobile Anlage. Welcher Weg an deinem Standort bleibt, sortiert der Konfigurator in wenigen Schritten. Trägt die Fassade die Last doch, hilft die konkrete Modellwahl im Artikel Basketballkorb für die Wandmontage: Modelle und Anforderungen weiter.
Typische Fehler
- Einen langen Dübel nehmen und hoffen. Der häufigste Fehler überhaupt. Ein Dübel, der zur Hälfte im Dämmstoff sitzt, überträgt die Last als Biegung auf den kurzen Rest im Mauerwerk.
- Die Dämmung unter der Fußplatte zusammendrücken. Wer die Schraube „bis es fest ist“ anzieht, quetscht den Dämmstoff. Die Anlage sitzt dann scheinbar stramm, wandert aber unter Last weiter – und der Putz reißt rundherum ein. Genau dagegen arbeitet der Konus.
- Den Ringspalt offen lassen. Unsichtbar, folgenreich, und der Schaden zeigt sich erst nach Jahren.
- Ein Abstandsmontagesystem ohne Blick auf den Tragkörper kaufen. Das System überbrückt die Dämmung – verankern muss es sich trotzdem in dem, was dahinter steckt.
- Das Bohrloch nicht reinigen. Bei Injektionssystemen der unsichtbarste und teuerste Fehler.
- Eine Behelfslösung aus Distanzhülsen oder einer Holzunterkonstruktion bauen. Sie trägt vielleicht, erzeugt aber genau die Wärmebrücke, die das ganze System vermeiden soll.
- Die Höhe erst nach der Montage prüfen. Wandanlagen sind praktisch nie verstellbar. Welche Höhe zu den Spielenden passt, klärst du vorher mit dem Korbhöhen-Rechner.
FAQ
Kann man einen Basketballkorb an eine gedämmte Fassade montieren? Ja, aber nur mit einem Abstandsmontagesystem, das die Dämmung überbrückt und die Last in den tragenden Untergrund einleitet. Dübel, die im Dämmstoff verankern, sind laut Herstellern ausdrücklich für leichte Anbauteile wie Lampen oder Fallrohre vorgesehen. Ab etwa 160 mm Dämmstärke gehört die Beurteilung in fachliche Hände.
Warum reicht ein längerer Dübel nicht? Weil die Dämmung keine Last aufnimmt. Der Teil des Dübels, der im Dämmstoff steckt, führt ihn nur; getragen wird ausschließlich im Mauerwerk dahinter. Dazu kommt, dass der wirksame Hebelarm um die volle Dämmstärke wächst – bei 200 mm Dämmung sind das 20 cm zusätzlich zur Auslage.
Was ist ein Kältekonus und wozu dient er? Ein kegelförmiges Bauteil aus glasfaserverstärktem Kunststoff zwischen Wand und Anbauteil. Es überträgt Zug-, Druck- und Querkräfte und unterbricht zugleich die durchgehende metallische Verbindung. Ohne diese Trennung entsteht eine Wärmebrücke – innen Tauwasser und Stockflecken, außen eine kältere, länger feuchte Putzstelle, an der sich Algen ansiedeln.
Welche Dämmstärke überbrücken die Systeme? Je nach Hersteller und Lastklasse unterschiedlich: fischer TherMax 12/16 nennt 62 bis 290 mm, TOX Thermo Proof bis 300 mm und Thermo Proof Plus bis 320 mm, Würth AMO-Therm Mini 60 bis 200 mm. Die technische Überbrückbarkeit ist aber nicht dieselbe Frage wie die, ob die Montage noch ein Heimwerkerthema ist.
Muss ich das Bohrloch nach der Montage abdichten? Ja, und zwar so, wie es das System vorsieht: Der Ringspalt am Putz wird mit Dichtkleber abgedichtet, bei kleineren Varianten kommt zusätzlich eine Abdeckkappe zum Einsatz. Bleibt der Spalt offen, zieht Wasser in die Dämmebene und trocknet dort kaum wieder aus.
Verliere ich die Gewährleistung auf die Fassade, wenn ich bohre? Das lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt am Vertrag. Sicher ist: Ein WDVS ist ein System, dessen Komponenten und Verarbeitungsvorgaben aufeinander abgestimmt sind, und ein nachträglicher Durchbruch ist ein Eingriff darin. Solange eine Gewährleistungsfrist läuft, ist die Rückfrage beim ausführenden Betrieb oder beim Systemhersteller der einzig sinnvolle erste Schritt. Das ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung.
Was mache ich, wenn ich nicht weiß, was hinter der Dämmung steckt? Dann fehlt die Grundlage für jede Systemauswahl. Ein Probeloch an unauffälliger Stelle bringt Klarheit, alternativ die Bauunterlagen oder eine Begutachtung vor Ort. Bis dahin ist eine Bodenhülse vor der Fassade der Weg, der die Frage gar nicht erst stellt.
Gibt es eine Alternative, die ganz ohne Bohren auskommt? Ja, zwei. Eine einbetonierte Bodenhülse trägt die Kräfte ins Erdreich ab und lässt die Fassade unberührt; eine mobile Anlage mit befüllbarem Standfuß greift überhaupt nicht in die Bausubstanz ein. Die mobile Anlage hat allerdings ihre eigene Grenze, sobald sich jemand an den Ring hängt.
Quellen
- Befestigungen an WDVS-Dämmung: Systeme nach Lastklasse
- Schwerlastbefestigung fürs WDVS
- Befestigung an gedämmten Wänden: Abstandsmontagesysteme AMO-Therm
- Abstandsmontage im WDVS: Thermo Proof Mini, Thermo Proof, Thermo Proof Plus
- Wärmedämmverbundsystem: Systemaufbau, Verwendbarkeitsnachweise und Ausführung
- Gewährleistung für Wärmedämmverbundsystem
- Montageanleitung Basketball-Wandanlage
- Montageanleitung Basketballanlage „Fair Play 2.0“